Die Wanderung

Die Wanderung:

Mittwoch 30.7.2003  Deutschland - Island

Es geht los.

Ohne Hektik und in aller Ruhe wird gefrühstückt. Noch mal eine kurze Überprüfung meiner Ausrüstung und Unterlagen und dann fährt mich meine Frau zur S-Bahn, die mich nach Stuttgart bringt. Außergewöhnlich pünktlich  kommt der ICE, nach Frankfurt, an und ich genieße es, mit bis zu 250 ‚Sachen’ zum Flughafen transportiert zu werden.

Das ‚Einchecken’ in Frankfurt macht auch keine Probleme. Mein Rucksack wiegt genau   19,5 kg und meine Tasche, die das Fresspaket enthält bringt auch noch mal 6 kg. Trotz meines Billigtickets bekomme ich einen Fensterplatz in der Business-class! Ich protestiere nicht! Der Flug verläuft ereignislos und gegen Uhr 15:00 landen wir in Kevlavik. Das  Wetter ist schlecht - es stürmt und regnet und die Wolken hängen ziemlich tief. Das veranlasst mich, zum Campingplatz von Kevlavik, da kein Bus geht,ein Taxi zu nehmen für Ikr 1200. Dort stöbere ich erstmal in den Hinterlassenschaften schon abgereister Touristen ob ich nicht für meinen Kocher Spiritus fände. Nichts ist da und deshalb laufe ich erstmal los um diesen bei einer Tankstelle zu besorgen (zu sündhaftem Preis von 1680 Ikr).

Brötchen besorge ich aus dem benachbarten Supermarkt. Da Kevlavik von den Überlandbussen nicht angefahren wird, muss ich  nach Reykjavik rein. Ein  sogenannter ‚Express-Bus’ fährt gegen  Uhr 19:00 zum zentralen Busbahnhof, von dem aus ich noch etwa 40 Minuten Fußmarsch zum Reykjaviker Campingplatz auf mich nehmen muss. Das Wetter ist etwas freundlicher geworden und ich schlage im Trockenen mein kleines Zelt auf. Danach koche ich mir ein ‚Nasi-Goreng’ und Kaffee. Jetzt gilt es noch, mein Fresspaket zu richten. Die Hälfte meiner ganzen Futteralien und eine Flasche Spiritus passen ganz prima in die Tasche rein und zufrieden mit mir und der Welt lege ich mich Schlafen. Obwohl der Campingplatz sehr voll ist, hält der Geräuschpegel sich in Grenzen und bald drifte ich ab. Einmal wache ich durch leichten Regen auf.

 

Donnerstag 31.7.2003  Reykjavik – Skogar - Fimmvörduhals  (5,5 h).

 

Meine innere Uhr weckt mich gegen Uhr 5:00 und nach mittlerer Hygiene und einem ausgiebigen Frühstück bin ich bereits gegen Uhr 6:00  wieder zu Fuß unterwegs um den Busbahnhof zu erreichen. Unterwegs fotografiere ich die Kirche und mich mit Selbstauslöser.   Am Busbahnhof gebe ich meine Umhängetasche auf (400 Ikr)  und pünktlich um Uhr 8:30 fährt der Bus nach Skogar (2300 Ikr),   ab. Das Wetter ist noch akzeptabel und ich schöpfe schon   Hoffnung, nicht gleich am ersten Wandertag  vollgenässt  zu werden. Dies ist ein  Trugschluss,  denn als wir um die letzte Bergnase nach Skogar einbiegen, fängt es an ,  richtig zu regnen. Man kann es sich halt nicht aussuchen.

                                          

  Reykjaviks Wahrzeichen -  die Kirche  -  nicht ich!

 

Bei 14° Celsius und einer steifen Brise mache ich mich um Uhr 11:30 auf den Weg. Neben dem Fluss Skoga geht es gleich mal richtig steil bergauf um nach dem Wasserfall etwas flacher zu werden. Auf etwa 10 km Strecke werden  ca. 950 Höhenmeter überwunden.

                      

    .... einer der zahlreichen Wasserfälle der Skoga

Der Fluss macht das  mit zahlreichen wunderschönen und sehr unterschiedlichen Wasserfällen und der Pfad daneben muss den Höhenunterschied natürlich auch überwinden, d.h. neben jedem Wasserfall ist der Pfad sehr steil und durch den Regen sehr rutschig. Was die Sache etwas erträglicher macht, ist, dass der Wind von hinten kommt. Diese Strecke ist landschaftlich ausgesprochen schön mit seinen verschiedenartigen Fällen, grünen Moosen, bunten Auswaschungen  und Versinterungen. Trotz des schlechten Wetters mache ich einige Aufnahmen. Ich hoffe, dass ich auf dem Rückweg besseres Wetter haben werde. Nach etwa 6 km überquere ich den Fluss auf einem kleinen Steg und verlasse ihn. Manchmal kann ich schon die erste Hütte oben an der Bergkante sehen, aber noch sind es bis dahin  4km und  400 Höhenmeter.  Nach insgesamt etwa 4,5 Stunden erreiche ich diese erste Hütte mit Namen Baldvinskali, aber da ich  die  2. Hütte, Fimmvörduskali, welche etwas komfortabler ist, erreichen will, marschiere ich noch ca. 50 Minuten weiter über den Gletscher, welcher Spalten und Rinnen mit kleinen Wasserläufen aufweist.

                

    .....über den Gletscher

Diese   Hütte ist doch gemütlicher und nach dem  Aufhängen der nassen Klamotten und Wechsel in trockene Sachen, einem heißen Fertiggericht und Kaffee geht es mir wieder richtig gut. Gegen Abend reißt es auf und man kann bis zur Küstenlinie sehen und die benachbarten Gletscher bewundern.

      Blick nach Süden  von der                                             Fimmvördurskali-Hütte aus

      Das Häuschen mit dem roten Dach ist    die                  Baldvinskali-Hütte

     

    Wasser in der Hütte gibt es nur aus der Regentonne - waschen ist eigentlich nicht drin – d.h. Hygiene wird  bereits hier sehr klein geschrieben. Später kommt noch eine 4-köpfige Gruppe und fängt nach einer Weile das Diskutieren an, wie der morgige Tag ablaufen sollte. Die Diskussion nimmt kein Ende und geht nur im Kreis herum!    Ich weiß, warum ich alleine wandere!

Anmerkung  April 2010

Dies ist das Gebiet wo im März 2010 der Vulkan Eyafjalla  ausbrach.  Damit dürfte diese Ecke für die nächsten Jahre unpassierbar geworden sein, denn ich nehme an, dass durch den Ausbruch   beide Hütten, die Wanderpfade  und die Thorsmörk  zerstört wurden.

 

Nachtrag 2016: Die Strecke ist  (wieder) offen.

Auf Youtube  gibt es einige Videos zum Ausbruch

 

Freitag 1.8.2003  Fimmvörduhals – Thorsmörk (4 h)

 

Um Uhr 6:0 stehe ich auf und mache kleine Hygiene  und um Uhr 7:00 bin ich bei noch gemischtem Wetter wieder auf der Piste. Diese ist am Anfang recht gut zu gehen, etwas auf, etwas ab, über kleinere Schnee- und große Lavafelder und gegenüber 1991 ist ein recht deutlicher Rückgang des Schnees und der Gletscher zu erkennen. Die Tour passiert einen Gletschersee auf dem Brattafönn und die Sicht auf die umliegenden schnee- und gletscherbedeckten Berge ist gut.

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    Über ein Schneefeld an einem Gletschersee vorbei.

    Manchmal lugt die Sonne hinter Wolken hervor und manchmal zieht auch wieder ein Nebelfetzen vor das Panorama. Die Stimmung wechselt laufend.

     

    Dann kommt der erste steile Abstieg zur Morinsheidi, einer weiten Hochebene, durchsetzt mit vielen Steinen. Hier sind die ersten Fixseile gespannt über die man nur dankbar sein kann. Auch der  Abstieg zur Thorsmörk ist recht steil, streckenweise rutschig durch Geröll und tieferen Sand, aber auch hier hat man an der kritischeren Stelle  Fixseile angebracht, so dass es eigentlich nicht gefährlich ist. Die Verankerungen sind zwar schon etwas lose, aber man muss einfach Vertrauen haben, dass sie halten!

               

     Blick in die Thorsmörk

     

     

       

 

Gegen Uhr 11:00 bin ich in der Thorsmörk, und die Krossa, ein Fluss, der schon einige Menschenleben auf dem Gewissen hat, führt sehr wenig Wasser. Für Fußgänger gibt es ein Stück flussabwärts eine Brücke, was die Querung ungefährlich macht. Bei der Hütte will  ich nach Hause telefonieren, was aber nicht möglich ist (wegen der Funklöcher). Also mache  ich bei leichtem Sonnenschein  erst mal Mittagspause und entschließe  mich dann, bis Botnar (die nächste komplette Etappe) weiter zu gehen.

     

             Mittagspause  in der Thorsmörk

     

     

 Freitag 1.8.2003  Thorsmörk - Botnar (5,5 h) 

 

Durch einen kleinen Birkenhain geht es wieder ein paar Höhenmeter steil bergauf, danach zieht es sich eigentlich wieder mit leichtem Ab und Auf weiter durch das Birkenwäldchen bis ich etwa  1h später die Thrönga-Furt erreiche. Die Birken neben den steilen Auf- und Abstiegen sehen ziemlich gerupft aus, da sie jedem Wanderer als willkommener Halt dienen! Es gibt keine Brücke und die Furtung ist für Wanderer die erste echte Herausforderung. Hier werde ich also meine wasserfesten Beinlinge in Kombination mit Gummistiefeln zum ersten Mal testen. Ich ziehe die Beinlinge an und streife meine Einweckringe über Hose und Gummistiefel, streiche alle Falten glatt und mache erstmal einen Probelauf ohne Rucksack. Es drückt kein Wasser hoch und in meine Stiefel, also ziehe ich den Rucksack wieder auf, nehme meine Wanderstöcke fest in die Hand und marschiere ans andere Ufer.

 

 

 

 

 .......so

  

 Auf der Gegenseite sind  inzwischen Gruppen angekommen, denen nichts übrig bleibt, als Hose, Stiefel und Socken auszuziehen und mit blanken Beinen das vielleicht 2° kalte Wasser zu durchwaten! Ich lasse mich fotografieren und mache selber ein Foto um den Unterschied zu dokumentieren.      

       ......oder so

 

 

 

 

 Mit dem weiteren Wetter habe ich Glück – ringsum sind  Wolken aus denen Regenschauer niedergehen – nur ich laufe im Trockenen. Ab und zu treibt der starke Wind zwar solch einen Schauer über mich hinweg, aber das ist harmlos. Ein weiterer kleiner Fluss, der Ljösa, wird mit Hilfe einer Brücke gequert. Dieses Fleckchen ist sehr idyllisch und lädt mit seinem tiefen und dichten Moos zur  Rast ein, aber ich mache keine Pause – das Wetter ist mir zu unsicher. Eklig ist der starke Gegenwind,  und immer wieder  geht es bergauf, bergab, steil und in tiefem Sand und Schotter. Aber die Landschaft entschädigt die Mühen.

                             

  Etwa 1h vor dem Ziel, Botnar,  geht es noch mal richtig steil in ein Flusstal und ebenso steil wieder heraus.      Der Fluss,  Fremri-Emstrua, ist zwar durch eine Brücke  überwindbar,  aber der Pfad davor und danach ist so steil,  dass Fixseile  angebracht sind welche man auch dringend  braucht. Ohne  diese Sicherung hätte man echte Schwierigkeiten, mit Rucksack auf dem Rücken, den Pfad zu bewältigen. Von der Brücke aus erreiche ich nach einer weiteren Stunde Botnar. Als ich dann dieses Ziel erreiche, bin ich auch sehr ‘zufrieden’, aber nach Kartoffeltopf und Kaffee geht es mir gleich wieder besser. Die Nacht bringt   viel Wind und Regen und ich bin glücklich, in einer festen Unterkunft zu sein. Ein Grund, warum ich nicht in der Thorsmörk geblieben war, ist, dass Nationalfeiertag und  Freitag ist und  die Isländer dort einfallen und wüste Gelage mit viel Lärm abhalten.

 

 

Samstag 2.8.2003  Botnar – Alftavatn (4,5 h)     

 

Heute lasse ich mir Zeit. Um Uhr 7:00 stehe ich auf und mache mittlere Hygiene und Frühstück,  was bis Uhr 8:00 erledigt ist. Bei angenehmen Temperaturen, Wolken und Sonne und ohne  Regen mache ich mich auf die Strecke. Nach einem leichten Aufstieg führt der Weg hauptsächlich eben über endlose  Lavafelder am Hutberg vorbei Richtung Hvanngil und Alftavatn.

         ....der Hutberg

     

    Es ist zwar das längste Teilstück der ganzen Route, aber sehr angenehm zu gehen. Irgendwann trifft man  die Jeeppiste und hat ein schönes Panorama vom Myrdalsjökull rechts und den Gletscherberg Kaldakloffsjökull vor sich.   

       

Reitergruppe von Hvanngil kommend - auf dem rechten Bild im Hintergrund der Myrdalsjökull

 

      Hier kommt mir auch ein Reitertrupp entgegen, der die Nacht in Hvanngil verbracht hatte.  Eine Furt gibt es auch kurz vor Hanngil, was aber für mich mit meinen Gummistiefeln gar kein Problem ist. Andere müssen hier schon wieder Stripptease machen. Als ich in Alftavatn ankomme, koche ich mir einen Jägertopf und Kaffee, sitze in der Sonne und lüfte  meine Socken und Stiefel. Jetzt ziehen ab und zu auch kurze Regenschauer durch, welche aber harmlos sind.

 Gegen Uhr 3:00 wandere ich  mit einem Italiener zusammen noch zu  einer ca. 6 km entfernten Schlucht, der Torfahlaup. Es ist dies eine  kleine romantische Schlucht mit  einem     Flucht-Sprung-Felsen’,  wie er in jedem Gebirge zu finden ist. Die Route führt am Seeufer  durch den See, wo auch die Autos fahren müssen. Immer wenn eins  kommt,  müssen wir     auf den steilen Hang ausweichen.

 

Torfahlaup Schlucht mit ‘Fluchtsprungfelsen’

Auch hier bekommen wir Regenschauer ab, aber am Ziel angekommen scheint die Sonne strahlend. Auf dieser Tour probiere ich auch mal mein  GPS aus und lasse mich auf dem Rückweg  durch das Gerät zur Hütte ‚leiten’.  Es funktioniert.  Wieder in der Hütte angekommen verbessere ich meinen Hüftgurt etwas und verarzte meine Druckstelle an der Hüfte. Andere Wanderer kühlen, schmieren und verpflastern ihre wunden Füße  –  z. T. sehen die wirklich unschön aus. Ich mit meinen Gummistiefeln habe dagegen überhaupt kein Problem. Abendessen (Jägertopf)  bereite ich  mir gegen Uhr 19:00.

 

Sonntag 3.8.2003 Alftavatn - Hravntinnusker (5 h)

Was für ein Tag! Um Uhr 4:00 wache ich auf und schaue raus – dickste Suppe, um Uhr 5:00 aufgewacht und rausgeschaut – dickste Suppe, um Uhr 6:00 aufgewacht und rausgeschaut – die Suppe wird schon etwas dünner. Um Uhr 6:30 stehe ich auf, mache mittlere Hygiene und bereite mir ein Frühstück und um Uhr 7:30 gehe ich bei strahlendem Wetter Richtung Hravntinnusker los. Die ersten 3 km sind sehr gemütlich mit kleineren Furten, aber dann wird es wieder richtig schwer. Sehr steil und z. T. rutschig und tief. Vor allem an einer Stelle wo ein kleines steiles Fumarolengebiet gequert werden muss.  Die aggressiven Dämpfe haben die Erde zu einem schmierseifenähnlichen Lehm umgeformt und es ist ein wahrer Balanceakt mit dem Rucksack auf dem Rücken.  Nach 1h ist das Schlimmste aber geschafft und es zieht sich neben einem bunten Bachbett mit Farben, die wirklich abartig sind, Moos- und Schneefeldern, weiter gemächlich nach oben.

     einfach farbenprächtig

 Auf halber Strecke  liegt der Gletscher Kaldakloffsfjöll, der bestiegen werden kann. Ich erklimme aber lieber den danebenliegenden namenlosen Berg mit Höhe 1145 (etwa 200 Höhenmeter Aufstieg  von meinem jetzigen Standpunkt aus), da mir der steile Gletscher mit seinen Spalten zu riskant erscheint. Ich lasse den Rucksack unten neben dem Wanderweg liegen und nach ca. 30 Minuten bin ich oben. Die Aussicht ist auch von diesem Gipfel fantastisch und ich mache eine 360° Panoramaaufnahme. Der Blick reicht bis zu den Gletschern von Thorsmörk, den Myrdalsjökull, Alftavatn und Hravntinnusker. Das Farbenspiel der Landschaft kann nur begeistern. Denn ab hier ändert sich auch der Charakter der Landschaft. Nach Norden hin sind die Berge  nicht mehr schwarz und mit grünem Moos bedeckt, sondern  jetzt wird es richtig bunt. Im Sonnenlicht leuchten sie in allen Farbschattierungen  von gelb, rot, ocker, blau bis obsidianschwarz! Auch das Moos bietet jetzt ein größeres Farbspektrum und immer wieder dazwischen die weißen Schneefelder.

 

    Alftavatn im Süden       Blick nach Nordwesten          ..Südosten

 Nach 50 Minuten bin ich wieder unten, um gerade eine geführte Gruppe vorbeimarschieren zu sehen . Es sind auch Deutsche darunter, welche liebend gerne auch auf den Berg gestiegen wären, aber die Führerin blockt den Wunsch ab.

Ich weiß, warum ich alleine gehe!

Jetzt führt der Pfad wieder bergab, um dann in einer lang gezogenen Ebene Richtung Hütte zu führen . Nur eben ist der Weg keineswegs. Immer wieder durchziehen kleinere und größere Täler die Ebene und es ist doch recht mühsam, denn die Ab- und Aufstiege sind immer sehr steil und rutschig. Um Uhr 12:30 bin ich an der Hütte um zu erfahren, dass wegen zweier großer Gruppen kein Bett frei sei. Nicht schlimm, habe ich doch das Zelt. Telefonieren kann ich hier auch nicht – man hätte mit einem Funkhandy auf einen Berggipfel steigen müssen um einen Erfolg versprechenden Versuch zu machen. In einer kleinen Steineinfriedung schlage ich mein Zelt  auf  um Mittagessen und eine Pause zu machen. Das Wetter hat wieder  etwas zugezogen,  aber um Stiefel und Socken auszulüften und zu trocknen reicht es.

        Zelten im Lavasand am Hravntinnusker

Gegen Uhr  16:00 laufe ich wieder los – mit GPS – um den Eishöhlen und  Solfatarenfeldern einen Besuch abzustatten. Dazu muss man über den Hravntinnusker steigen und auf der anderen Seite über den Gletscher wieder absteigen. Dies ist problemlos, wobei der Führer  vor Eisspalten gewarnt hatte. Die Höhlen sind wieder sehr eindrucksvoll. Jede Menge Isländer sind mit ihren Geländewagen da (wie wir im Jahre 1990). Diese Höhlen sind ja jedes Jahr anders. Durch die Gletscherbewegungen brechen sie zusammen um durch die heißen Quellen und Fumarolen im Erdreich wieder ausgeschmolzen zu werden. In den Höhlen tropft es überall und ab und zu knackt und knirscht es im Eis! Ein wenig unheimlich ist es schon und heimlich denke ich bei mir: ‘Sie wird doch noch ein paar Minuten aushalten!’. Sie hielt auch noch länger aus.

 

Eishöhle                                        Eiskamin in der Höhle.          Blick aus der Eishöhle

Nach einigem Aufenthalt und Fotografieren marschiere ich weiter zu den Dampfquellen. Ihr Getöse ist über km hinweg zu hören und ihre Dampfschwaden sind genauso über die km hinweg zu erkennen.

 

 

Von dort steuere ich wieder meinen Zeltplatz an. Ich wähle nicht denselben Weg zurück über den Gletscher, sondern umrunde den Berggipfel halb, steige dann über festen Boden hoch und lasse mich vom GPS  zu meinem vorher gespeicherten Wegpunkten zurückführen. Das klappt so hervorragend, dass ich genau das Steinmännchen wieder treffe, das ich auf dem Herweg passiert hatte. Beim Zelt angekommen fängt es auch prompt an zu regnen. Mein Abendessen muss ich im Zelt zubereiten (Zigeunertop und Kaffee)  und alles ist doch sehr beengt und ich muss mit dem Kocher sehr vorsichtig sein. Auf Dauer wäre mir dieses Zelt zu klein. Zelter dürfen die Hütte im Prinzip nicht benutzen, wie überhaupt  diese Hütte als Antihütte zu betrachten ist. Alles ist provisorisch und schon vor der Vollendung kaputt. Ein Klohäuschen für  bis zu 40 Personen und ein Waschbecken,  beides nur im Hindernislauf zu erreichen.

 

 

Montag 4.8.2003 Hravtinnusker - Landmannalaugar (2,5 h)

In der Nacht hat es einige Male geregnet, aber am Morgen ist durch den Nebel schon zu erkennen, dass wohl die Sonne den heutigen Tag gewinnen würde. Also stehe ich um Uhr 6:30 auf und erledige mittlere Hygiene und Frühstück. Dank der frühen Zeit ist auch noch keine Schlange vor dem Klohäuschen. Um Uhr 7:30 bin ich schon wieder mit GPS und Regenponcho unterwegs um in Landmannalaugar  mein Fresspaket zu holen und noch einen Telefonversuch zu wagen. Der heutige Tag umfasst eigentlich zwei Tagesetappen, aber da ich ja ohne Rucksack laufen kann, mache ich dies mit links. Der Nebel ist zwar noch da, aber man kann die wegweisenden Pflöcke  gut erkennen und mit der Zeit  wird es immer lichter. Manche Berge sind teilweise im Nebel und in der Sonne. Das gibt wieder wunderschöne Eindrücke und Fotomotive.

 

........kurz vor Landmannalaugar   Blick ins Tal von Landmannalaugar

 Gerade um Landmannalaugar sind die Berge äußerst farbenprächtig. Der eine Berghang ist leuchtend  orange während der gegenüberliegende tiefgrün ist.  Als ich in  Landmannalaugar ankomme, hat die Sonne endgültig gewonnen. Ich hole mein Paket aus dem Lager und dann geht es darum  zu telefonieren. Die weibliche ‚Warden’ ist sehr zögerlich und man merkt deutlich, dass sie nicht will. In einem Notfall wäre es natürlich was anderes  aber so - nein! Ich versuche deutsche Touristen mit Handy aufzutreiben, welche unterwegs zur Küste sind, um sie zu bitten für mich von dort aus zu telefonieren - erfolglos. Dann entdecke ich einen Hochlandbus, in dem der Fahrer rumwerkelt. Den spreche ich an und schildere ihm mein Dilemma. Der Fahrer überlegt kurz, meint auch, dass die Funklöcher zu groß seien,  lädt mich dann aber in seinen Bus ein um einen Versuch zu wagen. Erst  schaltet er  seinen Empfänger ein, wirft dann den Motor an  und dann fährt er mit mir zusammen auf dem Platz herum, vorwärts, rückwärts, nach links, nach rechts, bis er eine Stelle findet, von der er meint, dass sie Erfolg verspräche. Dann erkundigt er sich bei seiner Zentrale, wie man von seinem Bus nach Deutschland  durchkäme. Nach Erhalt der Informationen machen wir den ersten Versuch. Bis zur Deutschen Telekom Handvermittlung kommt er durch, dann bricht  die Verbindung aber wieder zusammen. Was tun? Motor vom Bus  anwerfen und nach einer besseren Funkposition auf dem Platz zu suchen war eins. Offensichtlich hat ihn nun auch der Ehrgeiz gepackt! Wir finden sogar  noch eine bessere Position und  der folgende Versuch ist dann auch von Erfolg gekrönt. Was für eine Erleichterung bei mir und Heidi! Was für ein stolzer Busfahrer dem ich mein Kärtchen da lasse  und dem Versprechen ihm einen Riesendrink zu spendieren, sollte er jemals  in den Stuttgarter Raum kommen. Jetzt bin ich nur noch auf die Rechnung dieses R-Gesprächs gespannt  (die Kosten waren ca. €5,00 wie sich dann Wochen später auf der Telekomabrechnung herausstellte - also für die Situation nicht unangemessen!) Nach diesem Erfolg mache ich mich wieder auf den Rückweg, hole mir vorher noch eine Plastikflasche aus dem Recyclingbehälter, spüle sie aus und fülle sie mit Wasser . Zu essen habe ich ja in meinem Beutel (u. a. Brot und Wurst). Da es immer noch blendendes Wetter ist, steige ich auf den im Sonnenlicht leuchtenden Berg Brennisteinsalda, der sich über Landmannalaugar erhebt.

                  

 ..... der Berg Brennisteinsalda

 Obwohl sehr steil, bin ich nach 40 Minuten mit einem Direktangriff auf dem Gipfel und mache Mittagspause und auch wieder eine 360° Panoramaaufnahme. Die Berge und Täler ringsum sind  bei Sonnenschein  einfach fantastisch! Vor Jahren war ich mit meiner Frau auf dem benachbarten Blahnokur und hatte auch von dort einen tollen Rundblick aber mit wieder ganz anderen Landschaftseindrücken. Auf dem weiteren Rückweg habe ich weitere sehr schöne Landschaft und damit Fotomotive, welche vorher durch den Nebel nicht zu sehen gewesen waren. Dadurch, dass ich keinen Rucksack habe, tangiert mich die teilweise Steilheit des Geländes  kaum  und ich bin  sehr schnell unterwegs. Um Uhr 14:30  bin ich wieder am Zelt. Mit einem Kartoffeltopf und Kaffee,  in der Sonne sitzend, lasse ich den Tag ausklingen.

 

 

Der Rückweg

 

Dienstag 5.8.2003  Hravntinnusker - Hvanngil (4,5 h)

Aufstehen um Uhr 6:30, mittlere Hygiene und Frühstück - bei bedecktem  Himmel  und Nebel. Hoffentlich regnet es nicht. Es regnet nicht! Durch das neue Fresspaket ist mein Rucksack wieder deutlich schwerer geworden. Wieder geht es über die weite Ebene mit den vielen kleinen Tälern. Am Kaldakloffsfjöll angekommen verlasse ich den Pfad, steige ins Bachbett ab und fotografierte die schönsten und buntesten Motive der ganzen Strecke.

 

...   im Bachbett unterhalb des Kaldakloffsjökull  -  einfach  abartig!

Auf diesem Teilstück beweist es sich besonders, dass sich eine Route in der entgegen gesetzten Richtung ganz anders präsentiert. Die ganze Zeit habe ich das prächtige Panorama des Myrdalsjökull vor mir. 

 

 

Der Abstieg  zum Alftavatn ist  wieder steil und rutschig und ich setze  meine Füße  sehr vorsichtig. In Alftavatn treffe ich auf Leute vom Tag zuvor und laufe  eine Weile mit ihnen. An der ersten Furt  trennen sich aber schon wieder unsere Wege. Ich stiefele einfach durchs Bachbett, während die anderen  wieder Schuhe und Socken ausziehen, Hosen hochkrempeln  spielen müssen und das gleich mehrmals. Um Uhr 1:00 bin ich an der Hvanngilhütte wo ich trockene Sachen anziehe, meine Socken wasche und mich in der Sonne fläze. Wieder ist es so, dass ringsum dicke Wolken sich abregnen und nur die Hütte in der Sonne liegt. Die Socken werden sogar trocken. Vom Warden werde ich noch zu Kaffee  und Keksen eingeladen, und wir unterhalten uns etwa ein Stündchen. Um Uhr 17:00 bin ich wieder aktiv und besteige den Berg neben der Hütte (200 Höhenmeter), um bei Sonnenschein das ganze Myrdalsjökull-Panorama bis zum Mälifjell zu genießen und zu fotografieren.

 

..... Blick vom  Berg bei der Hvanngilhütte Richtung Süd-Süd-Ost

Als ich gegen Uhr 18:00 wieder unten ankomme, ist die Hütte von einer ‚Sherpa-Truppe’ besetzt. Es sind vielleicht 18 Leute, die mit leichtem Gepäck wandern und ihre restlichen Sachen per Auto zur nächsten Hütte transportieren lassen. Der Begleiter bereitet dann aus dem Anhänger heraus das Essen und fährt auf: Brot, Käse, Wurst, Wein und Bier und, und, und. Dann wird noch der Grill angeworfen und ca. 50 Lammkotelletts gegrillt! Die gute klare Islandluft  ist gar nicht mehr  so toll. Spargelcremesuppe gibt es  auch. Also ,Essen wie Gott in Frankreich’. Sie haben auch einen Kameramann dabei, der sich fürchterlich wichtig vorkommt und alle  filmt (mich auch). Nach meinem  NasiGoreng und Kaffee ziehe ich mich bald zurück um in meinem Zimmer ganz allein zu nächtigen. Das ändert sich gegen Mitternacht, als noch ein verspäteter Wanderer eintrudelt. Ich habe mich gefragt, was jemanden dazu bringt  Island bei Nacht zu erwandern. Da sieht man doch von der Schönheit des Landes nichts.

 

 

Mittwoch 6.8.2003 Hvanngil - Botnar (4 h)

Um Uhr 6:00 stehe ich auf, um vor der Masse  fertig zu werden, was auch gelingt. Es ist noch neblig, aber man kann schon erkennen, dass die Sonne den Kampf gewinnen würde und am Fluss Ennri-Emstrua ist es dann auch soweit. Diesmal habe ich den Myrdalsjökull links von mir  und vor mir den Hattafjell (Hutberg). Ungefähr eine Stunde vor Botnar mache ich in der Sonne  eine kleine Rast. Ein Australier läuft auf,  der kurz bei mir stoppt um ein Schwätzchen zu halten. Meine erste Frage an ihn ist: ‚ Ain’t we lucky people?’  was er nur bejahen kann. Bei späteren Gesprächen mit anderen Wanderern stellte sich heraus, dass er immer von einem Deutschen, den er getroffen hatte,  erzählte, der mit Gummistiefeln von Skogar nach Landmannalaugar und wieder zurück liefe und ich fragte dann zurück, ob sie das von dem  Australier, der in drei Tagen von Landmannalaugar nach Skogar rennen wollte, wüssten. Oberhalb von Botnar lasse ich meinen Rucksack am Wegesrand um zu einer nahe gelegenen Schlucht, Markafljöts-gljufur, zu gehen. Diese ist wirklich sehr eindrucksvoll. Schwarzes Lavagestein wird  durch orangefarbene Auswaschungen unterbrochen, woanders ist  eine ganze Wand feuerrot und  immer wieder dazwischen das leuchtende Moos. Im Steilhang grasen auch auch paar Schafe.

 

In Botnar bin ich um Uhr 12:00, schlage ich im dichten Gras mein Zelt auf mit der anschließenden Prozedur - Mittagessen und Kaffee und einer kleinen Erholungspause. Es ist typisches Islandwetter: eben war noch strahlend blauer Himmel  -  5 Minuten später sind schon die dicken Wolken hinter einem Berg hochgezogen und es regnet. Am Abend, als es wieder etwas heller ist,  zieht es mich noch mal zu einem anderen Bereich der Schlucht. Einfach grandios! Leider habe ich übersehen, dass ich keinen Ersatzfilm dabei habe – also kann ich nicht soviel Fotos machen wie ich will.

 

Donnerstag 7.8.2003 Botnar - Basar (6,5 h)

 

Bei Sonnenschein stehe ich um Uhr 6:30 auf, frühstücke und laufe ein drittes Mall zu der Schlucht um die fehlenden Bilder zu machen.

 

.... die Schlucht, Markafljöts-gljufur,

Inzwischen trocknet das Zelt und um Uhr8:40 bin ich wieder auf der Strecke, dankbar für die Fixseile über den Fremri-Emstrua. Die Sonne verschleiert sich und ich habe Rückenwind. Heute habe ich als Panorama vor mir  die Gletscher der Thorsmörk und rechts von mir  den markanten Berg namens Einhorn. Als ich die Brücke über die Ljösa erreiche, ist es auch Zeit für die Mittagspause. Im dichten Moos und Gras genieße ich den Augenblick.

                                                   

                                                         Rast an der Ljösa

Leute kommen vorbei und ich lasse mich fotografieren und fotografiere die Leute. Das Wetter zieht wieder etwas zu, also packe ich mein Zeug und eine Stunde später durchquere ich wieder in altbewährter Manier mit Wasserhosenbeinlingen und Weckringen die Furt an der Thrönga. Am anderen Ufer kommt wieder der  Anstieg in den Birkenhain und ein Regen, der nicht mehr aufhört bis ich an Thorsmörk vorbei, über die Krossa,  den Platz Basar, am Fuße zum Anstieg auf den Fimmvörduhals,  erreiche. Hier nehme ich Quartier in der Hütte. Als mich der Hüttenwirt sieht, musterte er mich eingehend von oben bis unten und fragt mich dann, ob ich der Deutsche sei, nach dem sich vor ein paar Tagen telefonisch eine Frau aus Deutschland erkundigt hatte. Auf die Bejahung und die Gegenfrage, wieso er dies annehme, kommt die Antwort, dass er mich an Hand der Gummistiefel zuordnen könnte! Ich bin offensichtlich wirklich der einzige, der mit Gummistiefeln unterwegs ist.  Die Hütte habe ich für mich ganz allein. Es scheint jetzt auch wieder die Sonne und ich genieße diese auf der Holzterrasse. Die Hütte hat auch Zentralheizung durch einen alten umgebauten Holzofen, gespeist durch einen Öltank hinter dem Haus. Um den Tank ist das ganze Erdreich verseucht. Bezüglich Umweltschutz müssen die Isländer doch noch viel sorgfältiger werden. In der Küche suche  ich vergeblich nach Zucker, dafür finde ich aber Schokolade und Milchpulver. Es sind auf dem Platz nur noch ein paar Isländer(innen) da, die aber woanders nächtigen. Ich beobachte amüsiert einen Isländer, der verzweifelt versucht zu telefonieren  – vergeblich und  denke dankbar an meinen Busfahrer in Landmannalaugar. Gegen Uhr 8:00 verziehe ich  mich ins Bett um durch fürchterliche Donnerschläge im Haus wieder aufgeschreckt zu werden.  Was ist los? Ein paar Jungs benutzen die Hauswand als Torwand für ihr Fußballspiel. Ich lasse einen Brüller los und habe von da an Ruhe.

 

Freitag 8.8.2003 Basar - Fimmförduhals (5 h)

 

Bei bedecktem Himmel  um Uhr 6:00 aufstehen. Nach mittlerer Hygiene und Frühstück starte ich meinen Aufstieg zum Fimmvörduhals. Überall sind wieder Wolken, nur über mir ist es klar. Aber ich kann doch schon erkennen, dass hinter dem Pass dieser Zustand vorbei sein würde. Bis dahin nutze ich noch die Gelegenheit ein paar Fotos zu machen.

             

Aufstieg zur Morinsheidi - Fimmvörduhals

 Kurz vor dem Gipfel erwischt es mich dann doch noch. Es ist sehr steil, der Wind ist mit der Höhe immer stärker geworden und der Boden ist mit grobem losen Schotter bedeckt. Bei der Querung eines steilen Hangs  rutsche ich weg, versuche mein Gleichgewicht zu halten und eine kräftige Windböe bläst mich einfach um. Um meine Kamera, die ich in der rechten Hand trage, zu schützen, fange ich den Sturz mit  dem rechten Ellenbogen auf und stauche mir die  Schulter, dass mir kurz die Luft weg bleibt. Nach einer Weile rappele ich mich wieder hoch. Einige vorsichtige Bewegungen ergeben, dass zumindest nichts gebrochen oder gerissen ist. Das Weitersteigen macht mir dann zwar weiterhin keine Probleme, aber wenn ich den Arm bewegen muss, um Rucksack oder anderes zu  halten oder zurechtzurücken, tut es doch ziemlich weh. Oben auf dem Pass wird es dann richtig eklig . Ich laufe in der Wolke mit Seitenwind, die Sicht wird immer schlechter und die Nässe aus der Wolke immer nässer.

               

 

Über den Gletscher mit seinen Spalten bin ich sehr,  sehr vorsichtig und mache ganz kleine Schritte. Ich habe noch das Glück, dass der Regen noch nicht alle Lavaasche vom Eis gewaschen hat und ich dadurch noch etwas Griff habe. Mein Ziel ist die Primitivhütte, da ich annehme, dass die gepflegte ziemlich voll sei, was sich später auch bestätigt. Um Uhr 12:00 erreiche ich diese endlich, das Wetter ist jetzt richtig fies geworden. Der Wind hat sich zum  Sturm aus Süden gesteigert und fegt den Regen waagrecht über den Berg. In der Hütte mache ich erstmal etwas Ordnung – danach ist der Müllsack voll und die Hütte fast sauber - werfe die Gasheizung an und hole Wasser vom Bach. Ein heißes Mittagessen und heißer Kaffee beleben mich wieder. Noch bin ich ganz allein, aber nach kurzer Zeit füllt sich das Haus mit der ‚Sherpatruppe’ aus Hvanngil und  bald ist der Tisch wieder mit Köstlichkeiten beladen und die Wäscheleinen mit nassen Klamotten behangen. Gegen Uhr 14:00 ist der Spuk aber schon wieder vorbei.  Im Laufe des Tages  kommen immer mal wieder Leute, die sich kurz aufwärmen und dann weiter ziehen zur nächsten Hütte oder sogar bis Thorsmörk durchlaufen wollen. Zum Teil sind diese Leutchen für das Wetter alles andere als gut ausgerüstet. Nach dem Abendessen kommen doch noch 6 Wanderer aus Skogar rauf, ziemlich fertig und nass und sind über die warme Hütte sehr dankbar. Bald hängt alles voll nasser Kleider und alle hocken beim Essen.

Einer der jungen Leute gibt mir Schmerztabletten, denn meine gestauchte Schulter tut doch ziemlich weh. Einem der Jungs ging ein Stiefel an der Sohle richtig kaputt  und alle überlegen  nun, wie man dies reparieren könne – ohne Ergebnis. Hoffentlich halten sie den Abstieg nach Thorsmörk durch, sonst könnte es wirklich kritisch werden. Gegen Uhr  9:00 gehe ich schlafen, nachdem ich mir die Schulter noch mehrmals eingeschmiert habe. Die Nacht stürmt und regnet es draußen weiter. Ich habe extra wenig getrunken um in der Nacht nicht zum Dreieckshäuschen raus zu müssen!

 

 

Samstag 9.8.2003 Fimmförduhals Ruhetag

 

Um Uhr 7:30 stehe ich auf, mache  ganz kleine Hygiene und hole Wasser  vom Bach. Danach bin ich schon wieder nass, denn es stürmt und regnet immer noch. Ich erwarte fast, dass aus dem Regen Schnee wird. Aber auch wenn die Hütte primitiv ist, ist sie doch wetterfest und  die Gasheizung lässt es fast gemütlich sein. Ein ausgiebiges Frühstück und die Aussicht auf keine Wetterbesserung gleichen die Stimmung aus. Einen Tag will ich noch zuwarten, denn ich will zu gerne am Skoga bei besseren Verhältnissen entlang wandern. Ich habe  ja jede Menge Zeit und meine Verpflegung reicht auch noch für einen weiteren Tag. Die Kölner Gruppe  macht sich nach ihrem Frühstück langsam ans Packen und das Anziehen der noch feuchten Wandersachen. Einer verarztet  seine Blasen (wegen neuer Wanderstiefel!) und gegen Uhr 11:00 sind alle  mit meinen besten Wünschen wieder unterwegs. Das Wetter wird immer hässlicher und es ist sehr unangenehm, zum Häuschen zu gehen und Wasser vom Bach zu holen.

   ...wohl dem, der im Trockenen sitzt

Draußen ist scheußliches Wetter, um so gemütlicher empfindet man es drinnen.  Zu Mittag gibt es Jägertopf. Ich vertriele die Stunden, schreibe einige Gedanken in mein Reisetagebuch und lasse die Seele baumeln. Ab und zu sieht es aus als ob es heller würde, aber das Tief  ist einfach zu mächtig. Gegen Spätnachmittag kommen zwei Isländerinnen, die nur kurz bleiben, weil sie zur anderen Hütte wollen. Danach kommt noch eine größere organisierte Gruppe, hauptsächlich  Isländer und wringt  sich erstmal aus und wechselt in trockene Sachen. Ich wundere mich nur noch, denn Isländer sollten eigentlich wissen, was  von ihrem Wetter zu erwarten ist und besser ausgerüstet sein. Zwei Italienerinnen sind auch dabei und kommen sich ziemlich verloren vor. Nach einiger Zeit rüsten alle wieder zum Aufbruch. Die Mienen hätte man filmen sollen, als alle wieder ihre trockenen Sachen ausziehen um dann sich wieder in die nassen Sachen  zu quälen! Manche ziehen Plastiktüten über ihre Füße bevor sie in die Stiefel schlüpfen. Ob und was das was bringt kann ich nicht beurteilen. Gegen Abend kommt noch ein junges isländisches Pärchen. Der Junge wird nach kurzer Zeit von seinem noch auf der Strecke gehenden Freund per Handy angerufen und gebeten, zurückzukommen und den Rucksack seiner Freundin, die nicht mehr könne,  zu holen! Nach weiteren 2 Stunden ist auch dieses Pärchen mit Retter endlich da. Die Freundin ist fix und fertig, aber das erste ist, als sie sitzt, das Handy raus zu kramen und zu telefonieren, was aber nicht klappt. Das Telefonieren mit Handy ist in Island  nicht ganz so einfach. In der Zwischenzeit hatte ich mich mit  der anderen kleinen Isländerin unterhalten, und habe ihr beim verarzten ihrer Füße geholfen. Nachdem sich alle etwas erholt haben, packt der Freund aus und beginnt im Hüttenvorraum zu grillen – alles ist eingeräuchert, aber draußen wäre es absolut nicht möglich. Ich habe nur Sorge, dass die Hütte nicht abbrennt. Das würde bei diesem Wetter noch fehlen. Deshalb ist der  Feuerlöscher sehr griffbereit. Ich krieche dann gegen Uhr 10:00 in den Schlafsack  um mit Hare-Krischna-Gesängen in den Schlaf gewiegt zu werden. Man gehört nämlich dem buddhistischem Glauben an!

 

Sonntag 10.8.2003 Fimmförduhals - Skogar (4 h)

 

Um Uhr 6:30  ist Aufstehen angesagt. Es ist immer noch fies draußen. Nach Frühstück und ganz kleiner Hygiene marschiere ich los. Ich glaube nicht, dass  noch einen Tag Zuwarten eine Wetterbesserung bringt. Die Strecke läuft sich gut, nur dürfte  die Sicht auf die wunderschönen Wasserfälle des Skoga  besser sein. Trotzdem mache  ich ein paar Bilder, in der Hoffnung später trotzdem etwas erkennen zu können.

 

... wunderschöne Fälle der Skoga

Um Uhr 12:00 erreiche  ich  Skogar. Hier  wasche ich mir in einer klaren Pfütze meine Hosen und Stiefel und bereite  mein Mittagessen vor. Dabei unterhalte ich mich mit einigen Leuten und kann ihnen natürlich jetzt als ‚weit Gewanderter’ alle Fragen beantworten. Vom Edda-Hotel rufe ich zu Hause an um zu erfahren, dass seit 14 Tagen bei uns Temperaturen um 35°  herrschen. Da lobe ich mir doch angenehme  isländische 10° – 12° Celsius. In Skogar ist es im Vergleich zum Fimmvörduhals auch recht mild, kein Wunder – liegen doch 1000 Höhenmeter dazwischen. Pünktlich um Uhr 14.15 kommt der Bus, der uns nach Reykjavik bringen soll. Welche Überraschung , drinnen sitzen die beiden Isländerinnen und die beiden jungen Pärchen, welche alle eigentlich nach Thorsmörk hatten laufen wollen. Das Wetter und der Gletscher hat sie dann davon doch abgehalten. Im Bus habe ich einen Fensterplatz an der Sonnenseite und der wenige Sonnenschein macht mich schön warm und schläfrig.

                             Ich bin sehr zufrieden mit mir!

Am Busbahnhof angekommen habe ich noch eine Stunde Zeit für den Bus nach Kevlavik. Ich beobachte die Ankommenden und Abreisenden und amüsiere mich besonders über mit dem Flugzeug angekommene Fahrradtouristen, die auf dem Parkplatz eine Materialschlacht abziehen, um ihre Fahrräder auszupacken und zu montieren. Um Uhr 20:00 habe ich mein Zelt in Kevlavik aufgebaut, eingekauft und gegessen. Auf den Straßen ist es wie üblich sehr laut und die Nacht ist doch sehr unruhig.

 

Montag 11.8.2003 Kevlavik Whale-watching

 

Für den heutigen Tag habe ich mir vorgenommen, bei einer Walbeobachtungstour teilzunehmen. Das klappt auch wunderbar. Der Hafen liegt 10 Minuten zu  Fuß vom CP weg und das Boot legt  um Uhr 10:00 ab.  Es ist wieder typisches Sajda-Wetter, ringsum dickste Wolken und Schauer, nur wir fahren in hellem Licht.

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         Wetter                      und                Delphine

Es gibt Delphine und Zwergwale zu sehen. Einmal sehe ich auch einen Basstölpel eintauchen. Skurril sind ja  die Papageientaucher wenn sie vor dem Schiff flüchten. Um Uhr 13:00 sind wir wieder zurück und ich lasse den Nachmittag mit essen, Kaffee trinken, Kekse essen und in der Sonne fläzen, ausklingen. Wieder ist es eine sehr laute Nacht. Die Isländer haben eben nichts anderes zu tun, als mit ihren lauten Autos und Motorrädern den ganzen langen Abend auf und ab zu fahren (rasen).

 

Dienstag 12.8.2003 Ruhetag

 

Heute lasse ich es ganz ruhig angehen. Ich stehe um Uhr 7:30 auf,  frühstücke und mache ganz große  Hygiene.  Das heißt, ich dusche - warm und sehr ausgiebig und ziehe frische Klamotten an. Danach laufe ich zum Flughafen um zu sehen wie lange ich am nächsten Morgen zu Fuß brauchen würde. Bekasinen (Brachvögel) begleiten mich die ganze Zeit mit ihren melodischen Rufen. Es ist ein 50 Minuten-Spaziergang. Dafür hätte ein Taxi  1500 Ikr  gekostet. Auf dem Rückweg hole ich mir aus der Apotheke noch Schmerztabletten für meine Schulter und den Rest des Tages vertriele ich auf dem CP in der Sonne, schaue den Flugzeugen beim Landen und Starten zu, richte mein Gepäck für den Flug und unterhalte mich manchmal mit einigen Leuten, z.  B. mit jenen, denen gleich nach der Ankunft mit der neuen Norrönna die Zylinderkopfdichtung an ihrem Pickup durchgebrannt war und die ganze Reparatur ca. 14 Tage dauerte. Die Nacht ist wieder sehr laut, dafür  kurz.

 

Mittwoch 13.8.2003 Ruhetag

 

Um Uhr 3:30 stehe ich auf, mache mir mein Frühstück, baue das Zelt bei strahlendem Vollmond ab  und packe anschließend meinen Rucksack  Um Uhr 5:00 laufe ich bei Sonnenaufgang zum Flughafen, wieder begleitet von Bekasinen,  bin dort um Uhr 6:00, ergattere ohne Probleme einen Fensterplatz auf der linken Seite, wechsele mein Geld zurück, kaufe mir vom Restgeld eine große Tafel Schokolade  und pünktlich um Uhr 7:30 sind wir in der Luft. Wie gehofft kann ich von meinem Fenster  noch einen guten Blick auf Island werfen und mein letztes Bild machen, nämlich das  mit Blick auf das ganze Gebiet meiner Wanderung.
...letzter Blick auf das Gebiet meiner Wanderung.

In Frankfurt und Stuttgart klappt der Rest auch ohne Probleme, so dass ich gegen Uhr 19:00  wieder meine Füße auf der heimatlichen Terrasse unter den Tisch strecken und ein ausgiebiges und gutes Abendessen genießen kann. 

                                        Das war Island 2003

 

Fazit und Bemerkungen

 

Die Tour war anstrengend aber toll.

Bei der Ankunft in Stuttgart traf mich auf dem Bahnsteig fast der Hitzschlag.

Von 14 Tagen war an  3 Tagen das Wetter wirklich  fies.

Manche Leute wandern auf Island, als ob es am Mittelmeer  liegen würde.

Es ist unglaublich, wie nass man werden kann bei einem Mal Wasser holen.

Es gibt im Süden Islands jetzt viele Baumschulen und man pflanzt verstärkt an.

Es gibt richtig toll hilfsbereite Isländer.

Für meinen Kaffee wäre ein 2. Milchmädchen sehr schön gewesen.

Ein kleines aufblasbares Kissen werde ich das nächste Mal dabeihaben.

Eine Flasche Spiritus hätte genügt, denn in den Hütten gibt es Kochmöglichkeiten.

In den Hütten werden Paare grundsätzlich auf eine, allerdings große, Liege gepackt.

Die Entfernungsangaben scheinen mir manchmal  nur sehr grob geschätzt zu sein.

Wanderer mit T-Shirt und kurzen Hosen waren nicht selten - dafür hatten sie eine Pudelmütze auf.

Es ist von Vorteil, früh aufzustehen, denn dann kommt man um den Hüttenputz rum.

Es ist interessant, wie viel totes Gewicht die Leute mit sich schleppen, Glas  statt Plastikdosen z.B.

Mit 63,5 kg Lebendgewicht startete ich am 30.7. und kam mit 60,5 kg  am 13.8. zurück.

- kleine Hygiene bedeutet:        Klo und Zähneputzen!

- mittlere Hygiene bedeutet:      Klo und Zähneputzen und Wasser ins                                                                                          Gesicht spritzen!

- große Hygiene bedeutet:        Klo und Zähneputzen und  Duschen!

 

   

 

Meine Wertung der Plätze und Hütten

Skogar – guter Grasboden zum Zelten  vor dem Wasserfall. Das
Hygienehäuschen ist befriedigend. Es bietet zum Kochen und
Waschen etwas Windschutz. Hütte gibt es nicht. Für eine feste Unterkunft
muss etwas weiter zu einem Wohnhaus gegangen werden.
 
Fimmvörduhals – Zelten praktisch nicht möglich. Die 1. Hütte ist sehr
primitiv aber wenigstens wetterfest. Die 2. Hütte ist etwas komfortabler,
da ist sogar die Toilette im Haus. Weil die Pumpe kaputt war, musste
man sich das Wasser aus der Regentonne holen.
 
Basar und Thorsmörk – guter Grasboden zum Zelten. Die Hütten sind
groß und mit ausreichend guten Wasch- und Kochgelegenheiten ausgestattet.
 
Botnar – guter Grasboden zum Zelten. Die Hütten sind zum Schlafen
und Kochen gut ausgestattet. Zum Waschen und zur Toilette muss
man ins Freie und wäscht sich auch im Freien. Das Ganze ist sehr zugig.
 
Hvanngil – Grasboden zum Zelten. Die Hütten sind zum Schlafen
und Kochen gut ausgestattet. Zum Waschen und zur Toilette muss man
doch ein Stück gehen und steht beim Waschen  im Freien.
 
Alftavatn - Es gibt zwei Hütten, eine für Gruppen und eine für die Allgemeinheit
welche sehr gut ausgestattet ist. Für die Hygiene gibt es etwas entfernt eine
separate Hütte wo man beim Waschen doch etwas geschützt ist. Zelten ist am
Seeufer möglich. Vom Warden kann man sich auch Fische als Abwechslung
für die Speisekarte ‘besorgen’ lassen. Privat fischen ist nicht erlaubt.
 
Hravntinnusker -  Zelten im feinen Lavasand. Die Hütte ist zum Schlafen
und Kochen ok. Was die hygienische Seite anbelangt, ist hier noch viel
zu verbessern. Waschen findet ganz im Freien statt  und bei vielen
‘Gästen’ ist ein Klohäuschen zu wenig.
 
Landmannalaugar – Zelten ist bei Regen eine Zumutung, da es
den Platz leicht überschwemmt.
Hütten zum Schlafen und Kochen dagegen sind das Beste auf der
Strecke. Auch der Hygienebereich ist sehr gut ausgestattet.